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BONNER THEMEN: Januar / Februar 2006 Strukturelle Veränderungen in der Krise: Ausbau wichtigster Bausektor von Dr. Herbert Rudolf, Hauptgeschäftsführer des BHKS 251. Folge |
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Seit gut zehn Jahren ist die deutsche Bauwirtschaft in einer Krise. Nahezu alle ihre Bestandteile hatten sich - zwar unter Schwankungen, aber doch grundsätzlich bis 1995 ins Positive entwickelt. Ab diesem Zeitpunkt tendieren sie mit der gleichen Unregelmäßigkeit nach unten. In Auf- und Abschwung ergaben sich strukturelle Verschiebungen beachtlichen Ausmaßes, die ihrerseits Grundlage für prognostische Ansätze sein können. Es ist in unserem Land üblich geworden, die wirtschaftlichen Aktivitäten des Wirtschaftszweigs Bauwirtschaft mittels des Parameters "Bauvolumen" zu messen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat sich seit Jahrzehnten um die terminologische Absicherung des Begriffs gegenüber ähnlichen Größen wie Bauinvestitionen oder Bauausgaben verdient gemacht. Dank dieser Arbeiten ist es möglich, über konsistente lange Zeitreihen zu verfügen und sie unter den verschiedensten Blickrichtungen zu analysieren. Tabelle 1 zeigt die Entwicklung und die stukturellen Verschiebungen des Bauvolumens nach den so genannten Bau"bereichen" Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und Öffentlicher Bau für die Jahre 1991 (Jahr Eins nach der Wiedervereinigung), 1995 (bisheriger Höhepunkt des Baugeschehens) und 2003 (letztes verfügbares Jahr für konsistente Zahlen). Es ist darauf hinzuweisen, dass selbst in fachlich ansonsten durchaus kundigen Kreisen aus den Bezeichnungen für die soeben genannten Bau"bereiche" gefolgert werde, dass die Zahlen sich ausschließlich auf das Bauhauptgewerbe bezögen. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie an Hand von Tabelle 2 noch gezeigt werden wird. Die dargestellten Daten schließen alle Bausparten, auch die der Gebäudetechnik, ebenso wie anderer Teilbereiche des Ausbaugewerbes, mit ein. Einbußen im Hochbau Aus Tab. 1 ist ersichtlich, dass das gesamte Bauvolumen in den Jahren von 1995 bis 2003 um etwas mehr als 20 Prozent schrumpfte. Die beiden Bereiche, die zum Teil deutlich unter 20 Prozent Rückgang lagen, waren der Wohnungsbau und der Tiefbau im Wirtschaftsbau (Tab. 1, Abschnitt 3). Am meisten hat der Hochbau eingebüßt und zwar sowohl im Wirtschaftsbau als auch im öffentlichen Bereich. Tabelle 1: Struktur des Bauvolumens I
Im Beobachtungszeitraum ist es fortgesetzt zu strukturellen Verschiebungen gekommen. Obwohl auch der Wohnungsbau absolut an Bedeutung verlor, hat er doch relativ als einziger Teilbereich des Bauens an Bedeutung gewonnen. Sein Anteil am gesamten Bauvolumen stieg von 47 auf gut 55 Prozent (Tab.1, Abschnitt 2). Der Wohnungsbau ist damit sowohl absolut als auch relativ der stärkste Bausektor geblieben. Alle anderen haben in unterschiedlichem Ausmaß Prozentpunkte verloren, am meisten der Wirtschaftsbau, dessen Anteil von 34 auf weniger als 29 Prozent fiel. Diese Tatsache bringt mehr als vieles andere die anhaltende Binnenschwäche der deutschen Volkswirtschaft zum Ausdruck. Ausbau hat Rohbau überflügelt. Tabelle 2 teilt die Bauvolumens-Zahlen aus Tabelle 1, Spalte 2, etwas anders auf: nach dem Rohbau (entspricht dem Bauhauptgewerbe, jedoch ohne Fertigteilbau und andere ausgegliederte Teilbereiche, allerdings einschließlich vorbereitender Baustellenarbeiten), dem Ausbau (Gebäudetechnik, Bauinstallation, nicht-technischer Ausbau, sonstiges Baugewerbe) und den übrigen Bereichen (Installationen, Montage- und Fertigbauten im verarbeitenden Gewerbe, baubezogene Dienstleistungen, Außenanlagen, Eigenleistungen der Investoren). Alle drei Sparten werden jeweils noch einmal nach Hoch- und Tiefbau gegliedert ausgewiesen. Bei dieser Darstellung zeigt sich, was auch an anderer Stelle bereits mehrfach thematisiert wurde, dass der Ausbausektor ab 1995 den Rohbausektor an absoluter und relativer Bedeutung überflügelt hat und seit 1991 geringfügig, aber stetig, seinen Anteil am Bauvolumen gesteigert hat, während der Rohbaubereich ab 1995 4 Prozentpunkte relativer Bedeutung verloren hat (Tab. 2, Abschnitt 2). Auch die "übrigen Bereiche" erwirtschaften mit rund 70 Mrd. Euro mittlerweile eine Größenordnung, die nahe an den Rohbau (77 Mrd. Euro) heranreicht. Hinzu kommt, dass sowohl der Hoch- als auch noch mehr der Tiefbau der Übrigen Bereiche die geringste Einbuße seit 1995 erlitten (s. Tab.2, Abschnitt 3) und sich damit als am krisenbeständigsten erwiesen hat. Tabelle 2: Struktur des Bauvolumens II(alle Angaben in Mrd. Euro, in Preisen von 2000)
Tab. 2 zeigt schließlich, dass das Gewicht des Hochbaus, in absoluten Werten ausgedrückt, gut viermal so hoch ist wie das des Tiefbaus, wobei der Tiefbau im Ausbaugewerbe praktisch keine Bedeutung hat. Über die Jahre hinweg haben sich diese Anteile kaum verändert. Tendenziell hat der Hochbau leicht an Bedeutung zugenommen, während der Tiefbau sich sowohl im Auf- als auch im Abschwung als stabiler erwiesen hat. |
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