|
BONNER THEMEN: Februar 2005 WELTWIRTSCHAFT 2005: DEUTSCHLAND WEITER AM TABELLENENDE von Dr. Herbert Rudolf, Hauptgeschäftsführer des BHKS 242. Folge |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Wie selten zuvor haben die Wirtschafts-Prognostiker im abgelaufenen Jahr 2004 Recht behalten: im allgemeinen und im globalen Maßstab betrachtet war 2004 das gute Jahr, das, auch in dieser Zeitschrift, angekündigt worden war; aber es traten auch die Schwächen ein, in Deutschland und in einzelnen seiner Wirtschaftsbereiche, die vor einem Jahr prognostiziert worden waren. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm im Weltmaßstab um 5 % zu (Tabelle 1). Eine vergleichbare Dynamik wurde zuletzt in der Mitte der Siebziger Jahre erreicht. Konjunktur-Lokomotiven waren, wie vorhergesehen, vor allem China, dann Russland und auch die USA. Die tatsächlich erzielten Wachstumsraten in diesen Regionen waren noch um einiges höher als dies zu Beginn von 2004 absehbar war. Auch Japan und die lateinamerikanischen Staaten legten ordentlich zu. Im Rahmen der Prognosen blieben die 15 "alten" Mitgliedsländer der Europäischen Union mit einer gewichteten Durchschnittszunahme von 2,0 %. Dabei schnitt erneut Irland mit rund 4,0 % Zunahme des BIP weit überdurchschnittlich ab. Spanien wurde hingegen den Erwartungen nicht gerecht und blieb deutlich hinter dem Vereinigten Königreich zurück. Deutschland blieb zusammen mit Italien, den Niederlanden und Österreich in der Nähe des wachstumspolitischen Tabellenendes. Weltwirtschaft wächst weiter Für 2005 sehen die professionellen Vorausschätzer der Wirtschaftsentwicklung keine großen Veränderungen voraus: Die Weltwirtschaft wird weiter wachsen, vermutlich mit reduziertem Tempo, China, Russland, Indien und die USA werden unverändert die stärksten Wachstumsbeiträge liefern, die Europäische Union (alt) wird ihre Position kaum verbessern können. Innerhalb Europas wird voraussichtlich Finnland besser ins Spiel kommen. Deutschland muss fürchten, vollständig nach hinten durchgereicht zu werden. Vergleicht man die in den letzten Monaten erstellten Prognosen der Wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in 2005 miteinander, ergibt sich das in Tab. 2 dargestellte Bild der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts. Sowohl die privaten Konsumausgaben als auch der konsumtive Verbrauch des Staates für zivile und militärische Zwecke bleiben in der Nähe der Stagnation. Da beide Nachfragekomponenten rund zwei Drittel der Gesamtnachfrage bestreiten, ist bei dieser Ausgangslage ein durchschlagender Erfolg für das BIP nicht mehr zu erwarten. Ein spürbarer Wachstumsbeitrag geht allenfalls von der Nachfrage der Unternehmen nach Ausrüstungsgütern aus und, wie in den Jahren zuvor, von der Nachfrage des Auslandes nach inländischen Gütern aus. Vorleistungs-Importe steigen weiter Bei dem hohen Anteil der Exporte am deutschen Wirtschaftswachstum entsteht allerdings zunehmend ein Phänomen, das die an sich positiv wirkenden Zahlen mit Fragezeichen versieht: in immer stärkerem Maße werden nämlich die Güter, die in ihrer Gesamtheit vom Ausland nachgefragt werden und in den Leistungszahlen des Exports aufgehen, durch Vorleistungen aus dem Ausland assembliert. Konkret: in den letzten Jahren erhöhte sich der Anteil der importierten Vorleistungen an den ins Ausland exportierten Produkten um rund 50 %. In der Bekleidungsindustrie, der Automobilindustrie und dem Maschinenbau liegt der Anteil importierter Vorleistungen zwischenzeitlich bei mehr als einem Drittel. Damit verbunden sind zu einem Teil negative Beschäftigungswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt, zu einem anderen Teil entstehen allerdings auch neue Arbeitsplätze, weil durch das globale Outsourcing von Vorleistungsprodukten die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland gestärkt werden konnte. Die Zunahme der Beschäftigten in der Automobilindustrie ist ein Beleg für die zuletzt genannte Tatsache. Bauwirtschaft Schlusslicht der Inlandskonjunktur Weiterhin das Schlusslicht der inländischen Konjunktur ist und bleibt die Bauwirtschaft. Die Talsohle eines beispiellosen Niedergangs der einstigen nationalen Konjunktur-Lokomotive scheint trotz vieler optimistischer Ankündigungen immer noch nicht erreicht zu sein. Die Vertreter der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) kündigten aus Anlass der Eröffnung der BAU 2005 in München an, dass die Bauinvestitionen 2005 erneut um 1 % (nach 2,5 % in 2004) sinken würden. Mit einer Stabilisierung könne allenfalls 2006 gerechnet werden. Wesentlicher Grund für die weiterhin unerfreuliche Entwicklung im Baugewerbe ist der heftige Einbruch im Nichtwohnbau, der noch bis vor wenigen Jahren den Rückgang im Bauwesen abfederte. In 2005 ist gegenüber 2004 in diesem Teilsegment mit einer Verminderung der Bautätigkeit um knapp 10 % zu rechnen. Allerdings ist auch darauf hinzuweisen, dass einige Regionen und einige Sektoren im laufenden Jahr Fortschritte machen werden, so dass ein Anschluss an die nach den Angaben von Euroconstruct insgesamt steigende europäische Bautätigkeit in absehbarer Zeit erreicht werden könnte. Öffentliche Verlautbarungen von Vertretern der Haus- und Gebäudetechnik über die Aussichten dieses Wirtschaftszweigs in 2005 liegen bisher nur für einzelne Sektoren vor. Aus der Zusammenfassung der dabei zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen dürften die Umsätze der Branche insgesamt um knapp 3 % steigen, die der ausführenden Unternehmen um ca. 1,5 %.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||