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BONNER THEMEN: März 2005 WOHNUNGSBAU IN EUROPA GUT BEHAUPTET, SPANIEN SPITZENREITER von Dr. Herbert Rudolf, Hauptgeschäftsführer des BHKS 243. Folge |
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Von jeher ist das Wohnungsbauvolumen der wertmäßig größte Teilsektor der gesamten Bauwirtschaft, sowohl in Deutschland als auch im Bereich der Europäischen Union. Insofern kommt seiner strukturellen und konjunkturellen Entwicklung eine besondere Bedeutung nicht nur für die Bauwirtschaft, sondern wegen ihres immer noch vorhandenen gesamtwirtschaftlichen Gewichts auch für die jeweils nationalen Volkswirtschaften zu. Von den verschiedenen Betrachtungsweisen des Wohnungsbaus ragen die Baufertigstellungen hervor, weil sie angeben, welches Volumen in die Märkte für Bauleistungen geflossen ist. EUROCONSTRUCT ist diejenige Organisation, in der sich 15 west- und vier mitteleuropäische Forschungsinstitutionen mehr oder weniger regelmäßig zusammenfinden, um die Erkenntnisse über das Geschehen auf den Baumärkten in der Vergangenheit auszutauschen und daraus Schlussfolgerungen für die mögliche künftige Entwicklung zu ziehen. Die 58. EUROCONSTRUCT-Konferenz, die Anfang Dezember 2004 in Paris stattfand, kam zu der Feststellung, dass die Zahl der fertig gestellten Neubauwohnungen in Europa 2004 um rund 50.000 auf etwas über 2,2 Millionen Wohneinheiten gestiegen ist. Diese vergleichsweise hoffnungsfroh stimmende Aussage über die Entwicklung des gesamteuropäischen Marktes schließt allerdings sehr unterschiedliche regionale Abweichungen nach oben und unten ein. Verlässliche Zahlen hierfür liegen freilich lediglich bis zum Jahr 2003 vor. Halbierung des Wohnungsbaus in Deutschland Im Jahrfünft zwischen 1998 und 2003 hat sich danach der Wohnungsmarkt in Deutschland nahezu halbiert und weist damit mit einigem Abstand zu den Niederlanden den stärksten Rückgang in Europa auf (s. Tabelle: Wohnungsfertigstellungen in Europa). Rund 432 Mio Fertigstellungen 1998 standen 2003 nur noch 236 Mio Fertigstellungen gegenüber. Der scharfe Rückgang in Ost-Deutschland hat dazu relativ viel beigetragen; allerdings ist die Verminderung der Wohnungsbautätigkeit in West-Deutschland, absolut gesehen, noch größer gewesen. Spitzenreiter im Europa der 15 waren zwischen 1998 und 2003 hingegen Schweden und Irland, die jeweils um deutlich mehr als 50 % zulegen konnten. Spanien hat mit etwas geringeren Steigungsraten dennoch in der absoluten Zahl der Fertigstellungen in Europa 2003 inzwischen den führenden Platz erreicht. Das Land, das weniger als die Hälfte an Einwohnern gegenüber Deutschland aufweist, hat 2003 zweieinhalb mal so viele Wohnungen gebaut als dies in unserem Land möglich war. Die Einflussfaktoren der Nachfrage nach Wohnungen Wenn man nach den Determinanten sucht, die die absolute Höhe und die relative Veränderung der Wohnungsbautätigkeit bestimmen, stößt man unweigerlich auf vier Einflussfaktoren: 1. die absehbare demografische Entwicklung und in ihrer Folge die Anzahl der Haushalte. In beiden Kategorien liegt Deutschland für den Zeitraum von 2003 bis 2007 erneut am Ende des Feldes; 2. die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, aus dem die so genannte Baukaufkraft abgeleitet werden kann. Die Annahmen für das reale Wirtschaftswachstum liegen in Deutschland weit unter dem gesamteuropäischen Durchschnitt, weshalb von dieser Seite wenig für den Wohnungsbau erwartet werden kann; 3. die Preise für die Produktionsfaktoren, hier besonders für den Faktor Kapital in der Form von Zinsen auf Hypothekarkredite, für die in der gesamten europäischen Union ein weiterhin niedriges Nivau unterstellt wird; 4. Ausmaß und Schärfe staatlicher Eingriffe, die gemäß den Vorgaben der Europäischen Kommission in den nächsten Jahren eher abnehmen dürften. Anhand dieser und anderer Determinanten für die Nachfrage nach Wohnungsbauleistungen ist es möglich, etwa mittels ökonometrischer Modelle, die künftige Entwicklung im Wohnungsbau vorauszuschätzen. Dies ist eine der wesentlichen Leistungen, die die Experten von EUROCONSTRUCT den am Baugeschehen Interessierten bieten. Sie haben jetzt ihre Vorausschätzungen für den Zeitraum von 2003 bis 2007 vorgelegt. Deutschland bis 2007 im europäischen Mittelfeld Danach werden Schweden, die Niederlande, Italien und Norwegen die meiste Dynamik entwickeln. Für Deutschland wird allenfalls eine geringfügige Steigerung (1,7 %) erwartet. Damit liegt unser Land, wenn es denn so kommt, in der Nähe der für Westeuropa insgesamt angenommenen prozentualen Veränderung (1,4 %). Irland und Spanien werden das bisherige rasante Wachstumstempo nicht durchhalten können. Der Spitzenplatz Spaniens, in absoluten Zahlen ausgedrückt, gerät dadurch jedoch nicht in Gefahr. Bei einer Gesamtbetrachtung des Zeitraums von 1998 bis 2007 führt Schweden mit großem Abstand die Reihenfolge der Länder mit einer positiven Bilanz im Wohnungsbau an. Es folgen mit Ungarn und der Slowakei zwei Länder aus dem Kreis der neu hinzugekommenen Staaten.
Quelle: Euroconstruct, Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung (Volker Rußig); eigene Berechnungen |
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