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BONNER THEMEN: April 2005 DIE ISH 2005: FORTSETZUNG EINER FRAPPIERENDEN ERFOLGSGESCHICHTE von Dr. Herbert Rudolf, Hauptgeschäftsführer des BHKS 244. Folge |
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Schon Wochen und Monate zuvor und als Höhepunkt fünf Tage im März 2005 hat die ISH, einzigartige Fachmesse für viel mehr als Haus- und Gebäudetechnik, die Menschen eines ganzen Wirtschaftszweiges am Messeplatz Frankfurt am Main in ihren Bann gezogen. 1960 erstmals durchgeführt, hat sie sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der selbst im Weltmaßstab unbestrittenen Treffpunkte der Branche entwickelt. Sie hat sich dabei von rückläufigen konjunkturellen, ja strukturellen Trends vollständig abgekoppelt und ist dabei in Zahlen verkaufter Quadratmeter und in qualitativ-inhaltlichen Werten gewachsen und gewachsen. Die ISH setzte ihre Erfolgsgeschichte fort; sie ist ein Faszinosum. Messen haben in Deutschland eine lange Geschichte und Frankfurt ist eine der ältesten Messestädte der Welt. Ob Frankfurt freilich die viel zitierte "Mutter aller Messen" ist, mag bezweifelt werden. Fest dürfte stehen, dass die so genannten "Foires de Champagne" - Messen in der politisch seinerzeit unabhängigen Grafschaft der Champagne in Nord-Frankreich - einen zeitlichen Vorlauf gegenüber Frankfurt, Leipzig, Genua, Verona, Bozen und anderen Urgesteinen der europäischen Messelandschaft haben. Erste Messespuren sind für die Champagne-Städte Provins im Jahr 999 und Troyes im Jahr 1100 nachweisbar. Dort wurden Zusammenkünfte von Kaufleuten um Kirchenfeste herum organisiert, die mit einem Gottesdienst zu Ehren des jeweils namensgebenden Heiligen begannen, daher der Name "Messe". Unmittelbarer Kontakt prägt Messen Dieser sakrale Hintergrund unterschied Messen über Jahrhunderte hinweg von Jahr- , Wochen- und anderen Märkten. Messen hatten stets auch einen eher überregionalen Charakter in dem Sinne, dass die Kaufleute über Hunderte von Kilometern mit größeren Warenchargen anreisten und dann am Messeort für einen längeren Zeitraum ihr Angebot präsentieren wollten. Die Champagner-Messen dauerten in ihrer Blütezeit 48 Tage und fanden stets in der "belle saison", zwischen März und November, statt. Sie waren die zentrale Drehscheibe für den Warenaustausch in Europa. Durch den unmittelbaren Kontakt der Messebesucher, die allesamt Experten ihres jeweiligen Fachgebietes waren, entwickelte sich ein Informationsnetz, das zugleich als höchst zuverlässiges Stimmungsbarometer über die Lage des Faches diente. Zudem konnte während der Messe zügig und punktgenau getestet werden, wie und welche der angebotenen Güter vom Publikum aufgenommen werden und an welchen Stellen gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen sind. Messen waren und sind daher ein effizientes Instrument der Erforschung der für die Aussteller relevanten Märkte. Was - vorläufig - kein Kommunikationsmittel der Welt zu leisten vermag, ist der unmittelbare Kontakt von Person zu Person, in dessen Gefolge Verlässlichkeit und Berechenbarkeit des Partners im Dialog und hautnah belastbar sind, woraus wiederum im günstigen Fall Vertrauen als Basis einer andauernden Geschäftsbeziehung entsteht. Trifft die Stimmung die Realität? Die ISH ist Mutter und Goliath der deutschen Gebäudetechnik-Messen. Alles, was für Messen im allgemeinen konstituierend ist, gilt für sie und dies im besonderen Maße. Zwar wird sich auch der kundige Thebaner schwer damit tun, die drei Buchstaben ISH, die einst für international, Sanitär- und Heizungstechnik, standen, mit dem heutigen Langnamen der Messe in Übereinstimmung zu bringen: "Internationale Fachmesse für Gebäude- und Energietechnik, Erlebniswelt Bad, Klima- und Lüftungstechnik". Positiv und optimistisch gesehen, deuten die Teile der Überschrift an, in welche neue Märkte sich die ISH weiter entwickelt hat. Rund 200.000 Besucher haben knapp 2.350 Aussteller auf 21 Hallenebenen und einer Brutto-Ausstellungsfläche von 254.000 Quadratmetern besucht, mit ihnen debattiert, bestehende geschäftliche Beziehungen gefestigt, neue in die Wege geleitet. Wenn man durch die langen Flure mit zum Teil höchst eindrucksvoll gestalteten Ständen ging, sah man auf beiden Seiten des Geschäfts ganz überwiegend zufriedene, um nicht zu sagen euphorisierte Gesichter und man fragt sich, ob die Züge auf ihren Mienen tatsächlich das Geschehen auf den Märkten der Gebäudetechnik widerspiegeln. Es kann doch nicht sein, dass man nach einem Blick auf die seit Jahren alles andere als erfreulichen statistischen Daten der Branche eine ganze Messewoche lang so lustig sein kann. Alles, auch dieses Phänomen, hat seine guten Gründe. Zum einen ist ein Massenspektakel wie die ISH nie nur mit rationellen Maßstäben zu messen. In diesem Fall stecken die Optimisten die Optimisten an und schreiben einen fröhlichen Wechsel auf eine bessere Zukunft. Zum anderen hat sich die ISH mittlerweile zu einer Messe entwickelt, deren Internationalität von Mal zu Mal zu einem dominierenden Element wird. Mehr als die Hälfte aller Aussteller kamen 2005, wie auch schon 2003, aus dem Ausland. Mit deutlichem Abstand am meisten internationalisiert präsentierte sich die "Erlebniswelt Bad" mit einem Ausländeranteil von ca. 72 %. Im Vergleich zu Deutschland haben die meisten derjenigen Länder, aus denen die Aussteller kommen, den Anschluss an die dampfende Weltkonjunktur-Lokomotive längst gefunden. Wenn man auf Märkten mit Wachstumsraten von 3 % und mehr agiert, ist das Befinden ohne Zweifel stabiler, als wenn man sich über Ausmaß und Länge der Stagnation der wesentlichen Wirtschaftszeitreihen auseinander zu setzen hat. Der daraus resultierende Elan der ausländischen Aussteller hat sich 2005 in besonders eindrucksvoller Weise auf die Stimmung der Standbesatzungen übertragen. Was hat die ISH, was die anderen nicht haben? Die immerwährende Frage, die sich auch die übrigen der deutschen Gebäudetechnik-Veranstalter stellen müssen, ist: was hat die ISH was die anderen nicht haben? Die Antwort müsste sehr komplex gegeben werden, hat aber drei herausgehobene Bestandteile. Zum einen ist die ISH ein Muster an Beständigkeit. Sie findet stets zur annähernd gleichen Zeit, im Frühjahr in ungeraden Jahren, statt. Es wird nicht verschoben oder verlegt, der Turnus gibt Planungssicherheit. Die strukturellen Merkmale - Hallenaufteilung, Standzuteilung, Serviceleistungen, Rahmenprogramme - sind einerseits stabil und werden andererseits sanft, nicht ruckartig, nicht holprig, sondern eben organisch weiter entwickelt. Zweitens gibt es ein seit vielen Jahren im Wesentlichen konstant gebliebenes Führungsteam, das sich unter der ständigen Verfügbarkeit eines Mitglieds der Geschäftsführung der Messe GmbH auf hohem fachlichen Niveau nicht nur mit spürbarem Engagement für eine immer bessere ISH einbringt, sondern sich auch zwischen den Messeterminen um den Wirtschaftszweig Gebäudetechnik bemüht. Es ist der Eindruck entstanden, als hätten die Frankfurter im Gegensatz zu vielen anderen Messeverwaltungen ganz bewusst und systematisch die Gebäudetechnik als eines ihrer ständig gepflegten und behüteten Kompetenzzentren entdeckt. Und drittens wird die ISH von einer einzigartigen Verbändekonstellation getragen. Nicht nur die großen Vereinigungen der Branche, sondern auch viele mittlere und kleinere Einrichtungen bringen ihre spezifischen fachlichen Erfahrungen ein, aus denen in der Summe eine im Kern und am Rande in ihrem Erscheinungsbild stets "runde" Messe entsteht. Man kann nur hoffen, dass neue Begehrlichkeiten einzelner Gruppierungen, die sich derzeit noch in Rotweinrunden artikulieren, keine Schädigungen des Gesamtgefüges nach sich ziehen. Denn: es zählt zu den hervorragendsten Branchenzielen, eine Plattform zu erhalten und sie behutsam weiter zu entwickeln, die auch im internationalen Vergleich die Leistungsfähigkeit und die Schönheit des Wirtschaftszweigs Gebäudetechnik darzustellen geeignet ist. |