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BONNER THEMEN: Dezember 2004 BETRIEBSVERGLEICH: UNTERSCHIEDE IN OST UND WEST von Dr. Herbert Rudolf, Hauptgeschäftsführer des BHKS 240. Folge |
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Betriebswirtschaftliche Kennzahlen gleichartiger Unternehmen sind in jeder Branche ein unerlässliches Instrument zur Abschätzung der eigenen Position im Wettbewerb. Als verbandliche Dienstleistung lässt der BHKS - Bundesindustrieverband Heizungs-, Klima-, Sanitärtechnik/Technische Gebäudeausrüstung e. V. seit vielen Jahren von einem unabhängigen, einschlägig bekannten Unternehmensberater eine Untersuchung der wichtigsten Strukturelemente gebäudetechnischer Unternehmen erstellen. Der soeben erschienene Betriebsvergleich 2003 soll nachfolgend insbesondere auf die Unterschiede zwischen den Unternehmen in den alten und in den neuen Bundesländern ausgewertet werden. Das Ergebnis vorweg: es gibt gravierende Unterschiede ebenso wie strukturelle Analogien. Kritisch bei jeder Erstellung von Kennzahlen ist die Anzahl und die Qualität der teilnahmewilligen Unternehmen. Je mehr Unternehmen ihre Bücher offen legen und je besser sie in ihren Strukturen dem Gesamtdurchschnitt entsprechen, desto mehr nähern sich die zu treffenden Aussagen den wahren Werten der Grundgesamtheit. In dieser Hinsicht lässt der jetzt vorgelegte Betriebsvergleich nicht grundsätzlich, jedoch stellenweise Fragen bezüglich einer ausreichenden Repräsentanz offen. Bei Untersuchungen dieser Art kommt es jedoch auf die Plausibilität des Gesamtbildes an, das von den ermittelten Daten durchaus gestützt wird. Jahresleistung nach Sparten Bei der Darstellung der spartenbezogenen Anteile der Jahresleistungen (jeweils in %) liegt eine gewisse Auffälligkeit in dem hohen Anteil der Raumlufttechnik in Westdeutschland.
Weiterhin fällt auf, dass die Elektrotechnik im HKS-Anlagenbau sowohl in den alten als auch in den neuen Ländern eine nur höchst untergeordnete Rolle spielt. Der Bereich Heiztechnik macht in West- und Ostdeutschland gleichermaßen ca. ein Drittel der Jahresleistung aus. Und schließlich ist die erwartete führende Rolle der Sanitärtechnik in den neuen Ländern festzuhalten. Auftrags- und Kundenstruktur Eine Analyse der Höhe je Auftrag zeigt, dass die BHKS-Unternehmen für die eher größeren Aufgaben in Anspruch genommen werden. Sowohl in den alten als auch in den neuen Ländern ist der Anteil der Aufträge über 250 TEuro prozentual am höchsten. Auftragsgrößen in %:
Ein wichtiger Unterschied zeigt sich jedoch in der Entfernung der Orte des Auftrags bzw. Projekts vom Stammhaus. Während in den alten Ländern die Unternehmen rund drei Viertel ihrer Aufträge in einem Umkreis von bis zu 100 km ausführen, liegt der gleiche Anteil in den neuen Ländern bei 40 %. Stammkunden gibt es in den alten Ländern rund 60 %, in den neuen Ländern rund 40 %. Der größte Teil der Aufträge wird im Westen von der Industrie bzw. ganz allgemein der Wirtschaft mit rund 60 % erteilt, in den neuen Ländern im Umfang von gut 40%. Die öffentliche Hand und private Auftraggeber treten demgegenüber mit deutlich kleineren Auftragsscheiben in Erscheinung. Leistungs- und Kostenstrukturen Die Leistungs- und Kostenstrukturen haben sich in den alten und neuen Ländern angeglichen: Angaben in %:
Die Vorleistungen sind in Ost und West im Verlaufe der letzten zehn Jahre kontinuierlich angestiegen, die Wertschöpfung hat im gleichen Maße abgenommen. In Gesamt-Deutschland hat sich die Wertschöpfungsquote des gebäudetechnischen Anlagenbaus mittlerweile auf 46 % eingependelt. Dies entspricht etwa der Hälfte der Wertschöpfungsquote aller Wirtschaftsbereiche. Belegschaftsstrukturen Immer noch ist in den alten Ländern der Anteil der produktiven Mitarbeiter kleiner als der der Angestellten. In den neuen Ländern arbeiten zwar prozentual auch nicht viel mehr Menschen auf der Baustelle, der Anteil der Angestellten ist jedoch dort deutlich niedriger. Das Durchschnittsalter des Personals, das in den letzten zehn Jahren rapide abgenommen hat, liegt in Ost und West bei knapp über 40 Jahren.
Löhne und Gehälter Zum Teil deutliche Abschläge haben die Beschäftigten in Ost-Deutschland gegenüber ihren westdeutschen Kollegen hinzunehmen. Im Anlagenbau lagen die Lohneinzelkosten in Euro je Stunde im Westen um ca. 35 % höher als im Osten. Die Gehälter von Ingenieuren, Technikern und kaufmännischen Angestellten in den alten Ländern übertrafen die von denen in den neuen Ländern um mindestens 60 %. Lohneinzelkosten in Euro/Std.
Gehälter je Jahr und Person in %
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